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Tennisverband Rheinhessen  

Breit gestreut

Auf fünf Vereine verteilen sich die Titel bei den Jugendmeisterschaften des rheinhessischen Tennisverbands. Lediglich die Akteure des gastgebenden Ingelheimer TC und des TSC Mainz gehen aus zwei Konkurrenzen als Sieger hervor.

Der Sieger wirkte unzufriedener als der Verlierer. „Das Ergebnis passt, aber spielerisch war es nicht so gut“, kommentierte Jannik Schrägle den Ausgang des U-18-Finales bei den rheinhessischen Tennismeisterschaften. Mit 6:2, 6:3 hatte sich der für den ausrichtenden Ingelheimer TC antretende Favorit gegen Tom Meinert durchgesetzt.

Der an zweiter Position gesetzte Verbandsligaspieler des TSV Schott Mainz war der einziger Akteur des Jahrgangs 2011, der sich unter die zwei Jahre älteren Konkurrenten begeben hatte. In seinen ersten beiden Matches gegen den Gensinger Anton Mildeberger und Liam Haid (BW Klein-Winternheim) gab er lediglich eins beziehungsweise zwei Spiele ab. Schrägle genoss derweil in der ersten Runde ein Freilos und schlug danach Robert Koch (TC Jugenheim) mit 6:0, 6:0.

„Jannik spielt einfach cool, der lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen“, sagte der Ingelheimer Vereinsvorsitzende Wolfgang Stähle, als Schrägle im ersten Satz zwei enge Situationen meisterte. Diese Coolness war es, die seinem Gegner am meisten zu schaffen machte. „Gegen Jannik zu spielen ist immer unangenehm, weil er wenig draufgeht, aber wie eine Ballwand alles zurückbringt“, sagte Meinert.

„Das Ergebnis zählt“

Dagegen habe er anfangs die falsche Taktik gewählt und sich zu sehr auf Schrägles Spielweise eingelassen – die dieser freilich besser beherrschte. „Ich war nicht durchgehend konzentriert, aber am Ende des ersten Satzes stabil“, sagte der Meister.

Als Meinert im zweiten Durchgang die Initiative ergriff, verstärkt auf seine Vorhand setzte und dafür die Rückhand auch gerne mal umlief, hätte das Match kippen können. Beim Spiel zum 2:2 beispielsweise gelang es ihm perfekt, sich den Kontrahenten zurechtzulegen, um den entscheidenden Schlag anzubringen.

Kurzzeitig ging dies mit einer höheren Fehlerquote des Lokalmatadoren einher, doch Schrägle fing sich rechtzeitig wieder und profitierte auch davon, dass so mancher potenzielle Winner Meinerts einen Tick zu lang geriet. „Das Ergebnis zählt“, merkte er nach getaner Arbeit trocken an.

Die Kumpels wechseln sich ab

Einen Favoritensieg gab es auch eine Altersklasse darunter: Im achtköpfigen U-16-Feld marschierte der noch in der U14 spielberechtigte Luis Herding vom TSC Mainz problemlos durch. Das Endspiel gegen Andre Littleton (TSC Mainz) entschied er wie schon das vorangegangene Duell mit Jannik Wellermann (TC Weiler) mit 6:1, 6:3 für sich.

Zu einer reinen Ingelheimer Angelegenheit geriet das Finale der U-14-Jungs, in dem sich die an eins und zwei gesetzten Joshua Steeneveldt und Jonathan Choleva gegenüberstanden. „Wir wechseln uns mit den Siegen ab“, sagte Letzterer, „mal gewinnt Joshua, mal gewinne ich.“ Diesmal war die Reihe an Joshua, beide Sätze endeten 6:2.

„Gegen Jonathan zu spielen, ist immer schwierig, weil wir Freunde und Trainingspartner sind“, sagte der neue Rheinhessenmeister, der im Winter auch den Hallentitel geholt hatte. „Ich weiß, wie er spielt, er weiß, wie ich spiele“ – einander zu überraschen, ist nahezu ausgeschlossen.“

Tagesform entscheidet

„Die bessere Tagesform gibt bei uns den Ausschlag, und die hatte heute Joshua“, sagte Jonathan Choleva, der nicht von ungefähr in einem Volleyballtrikot auflief. Denn diese Sportart betreibt der in Gau-Algesheim wohnende Jugendliche ebenfalls – beim TuS Gensingen und in der Rheinland-Pfalz-Auswahl.

Zum nächsten Aufeinandertreffen der beiden Kumpels könnte es am übernächsten Wochenende bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaften kommen. Zuvor, beim Jugendturnier der Mainz open des TSC Mainz, mischt lediglich Jonathan mit. Joshua ist verhindert: „Ich bin auf Klassenfahrt.“

Wenn der Kopf sich einschaltet

Einen Titel zum TSV Schott nahm Luis Meinert mit. Der Bruder des U-18-Finalisten machte am Ende des U-12-Wettstreits gegen Liam Morath (TSC Mainz) sein bestes Match, das er mit 6:2, 6:1 gewann. In der Vorschlussrunde hatten beide ein wenig zu kämpfen; das TSC-Talent rang Linus Ober (TC Gensingen) mit 6:1, 7:5 nieder, der Schottler setzte sich gegen Niklas Brodmann (Ingelheim) mit 6:2, 7:6 durch.

„Das war ziemlich wellig“, beschrieb Luis Meinert die Auseinandersetzung, in der er nicht nur mit der Spielweise seines Gegenübers („Er hat die Bälle hoch und gut zurückgelöffelt“), sondern auch mit dem eigenen Kopf zu kämpfen hatte. „Manchmal habe ich mich gefragt, wie es kommt, dass es so knapp ist, aber irgendwie war der Wurm drin.“

Zu wissen, der bessere Spieler zu sein und dennoch im zweiten Satz in die Bredouille zu geraten, verunsicherte den Mainzer. Starke Vorhände und immer wieder eingestreute Vorhandstopps, die er sich bei seinem Bruder abgeschaut hat, aber häufiger einsetzte, wechselten sich mit leichten Fehlern ab. Die Folge: Beim Stand von 5:4 vergab er vier Matchbälle, im Tiebreak musste er bei 4:6 und 6:7 sogar drei Satzbälle abwehren, bevor er das Match mit einem wuchtigen Aufschlag zumachte.

Matchtiebreak im Mädchenfinale

Das spannendste Finale bestritten in der einzigen zustande gekommenen Mädchenkonkurrenz (U12) Charlotta Roll und Frieda Herding (beide TSC Mainz). Dort fiel die Entscheidung erst im Matchtiebreak, Charlotta Roll erhielt den Pokal nach einem 6:2, 3:6, 10:6-Erfolg.

In den jüngsten Jahrgängen gingen die Titel an:

…Johann Pichl (U10, Grün-Weiß Mainz), der sich zum Auftakt einen harten Fight mit dem Schottler Liron Kelemen geliefert hatte (4:6, 6:3, 10:7). Das Finale gewann er in zwei Sätzen gegen den Oppenheimer Lennart Jung mit 6:3, 6:2.

…und Niklas Weber (U9, Bürgerweide Worms). Er bezwang im Endspiel Henri Weigmann (Gensingen) mit 6:3, 6:3.

 

Peter H. Eisenhuth